Auf den Spuren zur Erforschung unseres ‘Blauen Planeten Die ALTENSTÄDTER GESELLSCHAFT FÜR GESCHICHTE UND KULTUR E.V. erfuhr auf einer dreitägigen Exkursion mit Herrn Dr. Gerd Werner (Uni Gießen) in die Vulkaneifel bis in Nähe des sogenannten Urknalls die Entstehung und Ent-wicklung der von uns bewohnten Erde. Schon auf dem Weg zum ersten Ziel, dem Unica Steinbruch in Villmar (Lahn), wurden die Teilnehmer hingewiesen auf die Nähe des früher vulkanischen Vogelsberg zur Wetterau, die durch die Aktivitäten ihre fruchtbare Bodendecke erhielt. Im Lahn-Marmor-Steinbruch gab Herr W. Höhler (Steinmetzmeister i.R.) aus-führlichste Informationen zum Naturdenkmal Unica, das gegen Wetterunbill mit einem großen Segel über seiner freigelegten Schauwand geschützt ist. Entstanden ist der Lahnmarmor vor rd. 380 Millionen Jahren, als weite Teile Deutschlands von einem Meer bedeckt waren. Durch Vulkantätigkeit wurden Schalsteinsattel ausgebildet, auf denen Riffe entstanden, die sich auf-bauten durch Stromatoporen (korallige Schwämme), eine mittlerweile ausge-storbenen Art von Meereslebewesen. Auch Schnecken, Muscheln und Korallen hatten Anteil am Aufbau der Riffe. Da der heutige Kontinent Europa damals mit seiner Kontinentalplatte auf Äquatorhöhe lag, war die für diese Lebe-wesen erforderliche Temperatur von 24 Grad Celsius gegeben. Die Riffe wur-den im Laufe der Erdgeschichte durch Druck bei Gebirgsbildung mit Oberde-ckungen von bis zu 1000 m verfestigt. So entstand bei dieser Gebirgsbildung vor 325 bis 305 Millionen Jahren ein den Alpen vergleichbares Gebirge in der "Lahnmulde". Hier wurden all diejenigen Gesteine, Riffkalke (Kalkstei-ne) eingefaltet und eingebettet in einem im Norden liegenden Kontinent, dem sogenannten "Old-Red- Festland". Daher sind heute bei Unica in der freien überdachten Wand die Individuen oft im Ganzen und Teile der Seelilienstän-gel zahlreich zu sehen und erklären damit das Vorkommen des roten Villmarer Kalkstein-Marmors. Der bei Schupbach früher abgebaute Marmor zeichnet sich dagegen durch ein tiefes Schwarz aus. Lahnmarmor wurde - urkundlich belegt - bereits seit 1605 in der Lahnregion abgebaut und fand seiner Schönheit wegen weltweit an besonders zu schmückenden Kirchen, Bauten und Platzen usw. Anwendung. Die Marmorverarbeitung war ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, doch aufgrund des hohen Lohnniveaus war der Abbau gegen die Konkurrenz aus China, Indien und Brasilien nicht mehr zu halten und verringerte sich in den 1970er Jahren ständig bis zur gänzlichen Einstellung. Von Villmar führte die Tour nach Mendig, wo bei Niedermendig beim Stein-bruch Michels die Wingertsbergwand zu bewundern war. Hierbei handelt es sich um eine bis 40 m hohe Wand als Aufschluss der Ascheschichten der Lacher-See-Eruption. Auch diese Wand steht unter Naturschutz und ist in einem Lehrpfad hervorragend dokumentiert. Deutlich erkennbar sind die Erup-tionsfolgen in den Bims -Tuff-Horizonten, in denen eingeschlossene "Bomben" (Auswürflinge) hervortreten. Westlich der Wingertsbergwand befindet sich ein noch betriebener Steinbruch mit beachtlichen Tiefen und Höhen. Auf Niedermendig folgte der "Lava-Dome" in Mendig, wo sich der ruhende Vulkanismus der Eifel mit allen Sinnen erleben lässt. Ein multimedialer Vulkanausbruch demonstriert auf beeindruckende Weise die frei werdenden Kräfte. Nicht nur für Erwachsene, auch für Kinder bietet sich ein interes-sant-belehrendes Experimentierfeld, das Herr Michael mit Verve vermittelte. Er führte die Gruppe dann zum 200 m entfernten Lavakeller. Vor dem Abstieg hatte sich jeder mit einem Helm und wasserdichtem Mantel zu "schmücken", dann ging’s 150 Stufen hinab in die Unterwelt (es gab auch einen Aufzug). Bei diesen Mendiger Lavakellern handelt es sich um einen erkalteten und ausgehöhlten Lavastrom 30 m tief unter der Stadt Mendig. Auch diese Lava-keller sind das Ergebnis des grüßten Vulkanausbruchs vor 13.000 Jahren. Eine 40 km hohe Eruptionssäule jagte Gesteinsbrocken bis Stockholm und Turin. Der Lavastrom erkaltete und erstarrte zu sechseckigen Säulen, die dann später von Männern unter für uns nur schwer nachvollziehbaren Bedingungen abgebaut wurden. Dieser Basalt war schon bei den Römern begehrt. Die Keller sind teilweise 6-8 m hohe Hallen, alle sechs Meter wurde eine starke Säule als Stütze der "Oberwelt" herausgearbeitet. In späterer Zeit wurden die unterirdischen Hallen zur Bierkühlung verwendet, eingeführt von den Herrn-hutern, die auch gleich eine unterirdische Brauerei dazu bauten. Im Jahr 1900 verfugte Mendig bei 1,500 Einwohnern über 28 Brauereien. Die bis heute erhaltenen Felsenkeller, die sich auf einer Fläche von 3 qkm unter der Stadt Mendig befinden, sind ein weltweit einzigartiges Kulturdenkmal im Winter bevorzugtes Überlebensgebiet für Fledermäuse. Im Herzen der Vulkaneifel liegt die Stadt Daun. In der herb-reizvollen Eifellandschaft fühlten sich bereits Kelten und Römer wohl, und rd. 350 Vulkane bezeugen die bewegte Entstehungsgeschichte. Bei einer Führung durch das Eifel- Vulkanmuseum wurde der Gruppe durch Herrn Dr. Volker Reppke (Geo-loge/Mineraloge) der Vulkanismus nahe gebracht: Die Menschheit würde ohne die frühere Vulkantätigkeit gar nicht existieren. Nach neuen Forschungser-gebnissen der Universitäten Münster und Cambridge sowie der ETH Zürich ereigneten sich vor 4,51 bis 4,44 Milliarden Jahren Kollisionen planetarer Korper, durch die das Grundmuster Erde entstand. Spuren ehemaliger planetarer Körper blieben erhalten und finden sich wieder in der Verteilung der chemischen Elemente, Das Alter der Erde stimmt mit dem des Mondes (einer knolligen Kartoffel) überein. Der Mond entstand, als ein etwa marsgroßer Körper mit der Erde kollidierte, dies war das letzte große Ereignis in der Entstehung unseres Planeten. Um den mehrere tausend Grad heißen, schweren Magmakern bildeten sich bis Erreichen einer äußeren Hülle leichter werdende Schichten, die Über dem Magma "schwimmen". Durch das Torkeln der Erde kam auch das Magma in Bewegung und drängte durch Schlote zur äußeren Hülle, wo es bei Kontakt mit flüssigem Stoff zu einer Explosion kam. Dieser Vorgang wiederholte sich immer wieder, feste Kontinentalplatten wurden getrennt und übereinander geschoben - Erdteile und Gebirge entstanden. Auch heute noch enthält jedes Lebewesen Atome des vorzeitigen Erdentstehens, Geologen rech-nen mit Zahlen, die für den Alltagsmenschen schwer zu verstehen sind. Die Führung und der Vortrag waren äußerst beeindruckend. Die vor fast 700.000 Jahren einsetzende Phase vulkanischer Aktivität hat das Landschaftsbild geprägt. Basaltströme sind in die Täler geflossen, Wasserdampfexplosionen haben große, trichterförmige Krater, die Maare, in den Untergrund gesprengt. In der Vulkaneifel gibt es 75 Maare, deren Ent-wicklungsstadien nachvollzogen werden können. Um die Stadt Daun gibt es drei Maare, die einen Maarsee enthalten, das Weinfelder Maar (Kratertiefe 51 m) wurde mit einem Spaziergang umrundet. Auch zahlreiche Trockenmaare sind prägend für das Landschaftsbild. Die Eifel ist in Bewegung und hebt sich noch, ungezählte Kohlensäurequellen und geophysikalische Beobachtungen zeigen, dass unter der Eifel eine Zone erhöhter Temperatur bis in minde-stens 400 m Tiefe reicht. Der bisher jüngste Vulkanausbruch ereignete sich vor knapp 10.000 Jahren (Ulmener Maar) - ein geologisch kurzer Zeitraum. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich der Vulkanismus in der Vulkan-eifel nur in einer Ruhephase befindet. Ein dies beweisendes Beispiel war in Wallenborn zu sehen und zu erleben. Der "Wallende Born" ist ein kalter Geysir vulkanischen Ursprungs und ein-malig in ganz Europa. Er wallt regelmäßig in Abständen von etwa 35 Minuten auf und spritzt bis zu 4 m in die Höhe. Das etwas lehmige Wasser riecht leicht schwefelig, ist kalt und sonst geschmacklos. Die Antriebskraft für die Fontäne ist Kohlendioxid anstelle der bei Geysiren sonst üblichen Hit-ze. So ist dieser "Brubbel" genannte Geysir Beweis für den latent vorhan-denen  Vulkanismus, wie auch das Kohlensäuresprudeln am naturgeschützten Ostufer des Laacher Sees hinweisend ist auf eine nach wie vor existierende Magmablase unter dem See. Der letzte Tag begann mit einer Stadtführung, die allerdings wegen der Anfang 1945 noch erfolgten Zerstörung der Stadt Daun nicht viel bieten konnte. Von der Dauner Burg ist nur noch ein Teil der Ringmauer mit einem Türmchen erhalten, von der Terrasse bietet sich ein schöner Bundblick. Erkennbar sind bei der  Stützmauer deutlich die eingesetzten sechseckigen Besaitblöcke. Die im 10. Jh. gebaute Zehntscheune und ein Nobelhotel befinden sich auch auf dem Berg, am Fuße des Berges ist noch der Torbogen des Burgmannenhauses erhalten. Zum Abschluss der Tour kam noch die Besichtigung der Eifeler Glocken-gießerei Mark in Brockscheid, wo Herr Beste anschaulich die Arbeiten zur Herstellung einer Glocke beschrieb. Glockenguss ist reine Auftragsarbeit mit Vorgabe des Klangtons, der bis zu einem Sechzehntel eingehalten wird. Die Glockengießerei Mark geht diesem Kunsthandwerk bereits seit 1620 nach. Damals besaß man keine feste Werkstatt sondern zog von Gemeinde zu Gemein-de. Heute werden in Brockscheid nicht nur Glocken gegossen, sondern auch Ofenplatten aus Eisen, Bronzekunstguss und anderes mehr, wie im zugehören-den Laden zu sehen und erwerben war. Hiermit kamen wir ans Ende der Exkursion. Die Teilnehmer dankten Herrn Dr. P. Bernard für die Planung und Vorbereitung mit herzlichem Applaus und dem Chauffeur mit dem Inhalt eines Hutes für sein sicheres und umsichtiges Fahren. Bilder vom Lahnmarmor Bilder von der Wingertsbergwand
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